Stiftskirche St. Peter in Salzburg: Baugeschichte

Betritt man heute die wunderschöne, im Stil des Rokoko (um 1770) ausgestattete Stiftskirche, mag man kaum glauben, dass hier im 12. Jahrhundert eine romanische Basilika mit flacher Holzdecke stand.

alte Ansicht des Stiftes St. Peter um 1767

Aber die Ursprünge gehen noch weiter zurück, bei Grabungen entdeckte man sogar Baufundamente aus dem 5. Jahrhundert – also aus einer Zeit noch vor dem hl. Rupert! Bereits um 720 entstand eine große Kirche, die womöglich als erste Salzburger Bischofskirche diente.

Die Baugeschichte erschließt sich leichter, wenn man sich die Kirche in ihrem heutigen Erscheinungsbild als eine Zwiebel vorstellt, und die Schalen der Zwiebel die einzelnen Bauphasen symbolisieren.

Das heutige Erscheinungsbild und die romanische Basilika – Raumteilung Chor & Laien

Fragmente von Malereien im nörd­lichen Seitenschiff aus der Zeit zwi­schen dem  13. und 15. JahrhundertIhr jetziges Aussehen verdankt die Kirche Abt Beda Seeauer (1753–1783), der die Kirche von 1760 bis 1782 im Stil seiner Zeit, dem Rokoko, stuckieren, freskieren und mit Marmoraltären ausstatten ließ. An der baulichen Substanz hat er kaum etwas verändert. Unter diesem Rokokokleid finden wir im Kern die dreischiffige romanische Basilika, die unter Abt Balderich nach einem Brand 1127 zwischen 1131 und 1143 erbaut bzw. umgebaut wurde. Diese romanische Basilika war ursprünglich mit einer Holzdecke flach eingedeckt. Die Apsiden befanden sich im Bereich des heutigen Zelebrationsaltars. Auch die im Mittelalter typische Raumteilung zwischen Laien- und Chorkirche durch einen Lettner (später durch ein Gitter) lässt sich noch heute gut nachvollziehen. In den ersten beiden Jochen des Langhauses finden wir in den Bögen den berühmten „Hildesheimer Stützenwechsel“, während im vorderen Bereich, der alten Chorkirche, der bodenständige Maßkanon dominiert. Zwischen dem 13. und dem 15. Jahrhundert wurde die romanische Kirche mit Malereien ausgestattet, von denen Fragmente im Bereich des Sakramentsaltares und in den Seitenschiffen freigelegt wurden.

Bauliche Veränderungen nur im 17. Jahrhundert

alte Ansicht des Klosters St. Peter mit romanischem Kirchturm um 1699Die einzigen baulichen Veränderungen zwischen der Romanik und dem heutigen Erscheinungsbild fanden in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts statt, als man die romanischen Apsiden abtragen ließ und den heutigen rechteckigen Chorabschluss errichtete (1605), die Kirche einwölben ließ und mit dem Bau der Kuppel begann (1625). 1625 bekam die Kirche unter Abt Joachim Buchauer drei neue frühbarocke Altäre, die der Salzburger Bildhauer Hans Waldburger lieferte.

Archäologische Funde belegen große Kirche bereits im 8. Jh.

Entfernen wir eine weitere Schale der Zwiebel und gehen in der Baugeschichte einen Schritt weiter zurück. Im Jahr 2001 wurde bei Umbauarbeiten die nördliche Mittelschiffmauer auf der Rückseite freigelegt. Verschiedene Untersuchungen in den folgenden Jahren an den Langhausmauern und in der Krypta der Kirche brachten erstaunliche und überraschende Ergebnisse: große Teile der Mauern stammen aus der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts. Somit lässt sich sagen, dass die vorromanische Kirche aus der Zeit des hl. Rupert mindestens die Ausmaße des heutigen Mittelschiffes gehabt haben muss. Für die damalige Zeit handelte es sich also um einen ausgesprochen großen Kirchenbau, der erst durch den Bau des ersten Domes unter Bischof Virgil im Jahr 774 übertroffen wurde. Die Stiftskirche von St. Peter könnte demnach die erste Salzburger Bischofskirche gewesen sein.

Auch Spuren aus dem 5. Jahrhundert

Unterhalb der romanischen Apsiden stieß man bei Grabungsarbeiten im Jahr 2007 auf Fundamente eines wahrscheinlich sakralen Baus, die ins 5. Jahrhundert datiert werden – also in die Zeit des hl. Severin. Für die exakte Bestimmung dieser Fundamente und das genauere Verständnis des Baues wären weitere Ausgrabungen erforderlich. Dieser vorrupertinische Kirchenbau wurde vermutlich in die erste große Kirche (um 720) integriert und dann nach dem Brand 1127 unter Abt Balderich zur romanischen Basilika erweitert.