Michaelerkirche Wien: Die Gruft von St. Michael

Im Jahr 1508 wird der Friedhof um die Michaelerkirche geschlossen. Es entsteht die Gruft von St. Michael.

Der 1660 geweihte Mariahilfer Friedhof kann aufgrund der Entfernung nicht genützt werden, daher finden die Bestattungen der Innenstadtbewohner in der Michaelerkirche statt.

Gruftanlage unter der Michaelerkirche mit Blick auf Holzsärge in der ehemaligen Pfarrgruft

Die Gruft entstand im 16. und 17. Jahrhundert als Folge der Schließung des um die Kirche gelegenen Friedhofes im Jahr 1508. Zunächst waren es Einzelgrüfte des Adels, die über die noch heute vorhandenen Gruftplatten im Kirchenboden benutzt wurden. 1676/78 wurde unter dem Mittelschiff der Kirche die große Pfarrgruft sowie unter dem Hochaltar die Priestergruft angelegt. Dabei wurden die einzelnen Nebengrüfte durch Gänge untereinander verbunden. Der 1660 geweihte Mariahilfer Friedhof, ein zur Michaelerkirche gehörender Bereich, wurde von der Wiener Innenstadt auf Grund der Entfernung abgelehnt. Somit fanden die Bestattungen der zur Pfarre gehörenden Innenstadtbewohner in der Michaelerkirche statt und jene der zur Pfarre gehörenden Bewohner der Vorstädte in Mariahilf.

Laut Hofdekret vom 11. Dezember 1783 wurden weitere Beisetzungen durch Kaiser Joseph II. in der gesamten Innenstadt und damit auch in der Michaelergruft verboten. Gleichzeitig wurden die Vorstadtkirchen Mariahilf und St. Joseph zu eigenständigen Pfarren erhoben. Auch wenn diese Kirchen noch bis 1833 die Bestattungsgelder an die Michaelerkirche bezahlen mussten, war dies das Ende als Bestattungskirche.

Die Einzelgrüfte von St. Michael

Seit Ende des 16. Jahrhunderts sind Grüfte für folgende Adelsgeschlechter und Bruderschaften nachweisbar:

  • 1591  Freiherren und Grafen von Mollard
  • 1606  Berchtoldt zu Sachsengang
  • 1617  die Grafen und Fürsten Trautson
  • 1619  Barone und Grafen Meggau
  • 1637  Grafen von St. Julian
  • 1639  Barone Sprinzenstein
  • 1640  Taufkapellengruft (Inhaber unbekannt)
  • 1642  Freiherren und Grafen Buccellini
  • 1644  Freiherren von Kaiserstein
  • 1649  Grafen von Werdenberg
  • 1654  Grafen Cavriani
  • 1659  Pergen-Suttinger
  • 1673  Gruft der Spanischen Corpus-Christi-Bruderschaft
  • 1679  Barone Mayerberg

Gedenkplatte der Familie Trautson in der Trautsongruft, wo mehrere Metallsärge der Familie vorhanden sind